Dienstag, 17.03.2026

Fahrrad vor Auto: Studie zeigt Mobilitätspräferenzen und Nutzungsmuster in Erlangens Innenstadt

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Eine neue Untersuchung zur Innenstadtmobilität in Erlangen kommt zu dem Ergebnis, dass das Fahrrad das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel für Wege in die Innenstadt ist. Die Studie, erstellt von der städtischen Statistikstelle in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern und dem Institut für Soziologie der Friedrich Alexander Universität Erlangen Nürnberg, beleuchtet zugleich Einschätzungen zu Erreichbarkeit, Einkaufsmöglichkeiten, Parkraum und Wünschen für die künftige Innenstadtentwicklung.

Studiendesign und Teilnehmende

Die Ergebnisse beruhen auf drei Onlinebefragungen. In einer repräsentativen Zufallsstichprobe wurden 4.000 Erlangerinnen und Erlanger angeschrieben; 1.437 Personen nahmen teil, was einer Rücklaufquote von 36,8 Prozent entspricht. Ergänzend lief von November 2025 bis Januar 2026 eine offene Onlinebefragung mit 2.986 Teilnehmenden, davon 1.812 aus Erlangen. Zusätzlich wurden im Februar und März 2026 insgesamt 101 innerstädtische Gewerbebetriebe online befragt.

Fahrrad dominiert, Zeitaufwand bleibt Entscheidungsfaktor

Über alle Altersgruppen hinweg gab das Fahrrad die höchste Nutzungsfrequenz für Wege in die Innenstadt an. Als Gründe für die Fahrradnutzung nannten die Befragten vor allem geringe Reisezeit, Flexibilität und geringere Kosten sowie Umwelt‑ und Gesundheitsaspekte. Die Erreichbarkeit zu Fuß und mit dem Fahrrad wird überwiegend positiv beurteilt, die Erreichbarkeit mit dem Auto häufiger kritisch.

Der Zeitaufwand ist insgesamt der wichtigste Faktor bei der Wahl des Verkehrsmittels. Zugleich geben Autofahrende im Durchschnitt etwas mehr Geld bei ihren Innenstadtbesuchen aus und sind im Schnitt älter als Radfahrende. Zu den am häufigsten genannten Verbesserungswünschen gehören günstigere Preise im öffentlichen Nahverkehr, der weitere Ausbau des Radwegenetzes einschließlich des Schließens bestehender Lücken sowie sichere, vom Autoverkehr getrennte Fahrradwege. Der Wunsch nach zusätzlichen Parkplätzen spielt eine deutlich geringere Rolle.

Einkaufen, Verweilen und Umgang mit Leerstand

Die Innenstadt wird vor allem als Einkaufs- und Alltagsort genutzt. Wichtige Gründe für Besuche sind Einkaufsmöglichkeiten für Kleidung, Lebensmittel und Drogerieartikel, Wege zur Arbeit, Schule oder Universität sowie Gastronomieangebote. Das gastronomische Angebot bewerten jüngere Befragte unter 30 Jahren besonders positiv. Auch die Gestaltung des öffentlichen Raums mit Plätzen, Grünflächen und Sitzgelegenheiten wird von jüngeren Menschen häufiger als attraktiv eingeschätzt als von älteren.

Viele Befragte nennen die Unterstützung lokaler, inhabergeführter Geschäfte als Motiv für den Innenstadtbesuch und sehen gegenüber dem Onlinehandel Vorteile beim direkten Erleben von Produkten und bei persönlicher Beratung. Für die Nutzung von Leerständen divergieren die Vorstellungen: Bürgerinnen und Bürger favorisieren Wohnraum, Begegnungsorte ohne Konsumzwang, kostenlose Bewegungsangebote sowie Bildungsangebote wie Kurse oder Workshops. Gewerbetreibende sprechen sich dagegen häufiger für eine Nutzung durch Einzelhandel oder Gastronomie aus, teils in Form von Pop up Stores oder kulturellen Angeboten.

Parken, Lieferzonen und politische Folgerungen

Bei der Organisation des Parkens besteht in manchen Punkten breite Zustimmung. Die Einrichtung von Lieferzonen zum sicheren Be und Entladen findet sowohl bei Bürgerinnen und Bürgern als auch bei Gewerbetreibenden großen Zuspruch. Ebenso wird die gemeinsame Nutzung von Stellplätzen durch Anwohnende mit Parkausweis und Besucher mit Parkschein von vielen Befragten positiv bewertet. Kritischer beurteilt wird die Verkürzung der maximalen gebührenpflichtigen Parkdauer von drei auf zwei Stunden, die im Rahmen eines Pilotprojekts am Bohlenplatz getestet wurde.

In der Zusammenführung der Befunde sehen die Autorinnen und Autoren der Studie Hinweise für die künftige Innenstadtentwicklung: Mobilitätsangebote sollten den Fuß und Radverkehr sowie den öffentlichen Nahverkehr stärken, zugleich aber die Erreichbarkeit für Menschen sichern, die auf das Auto angewiesen sind. Außerdem wird empfohlen, den lokalen Handel weiterhin eng einzubinden und die Aufenthaltsqualität durch zusätzliche Begegnungsorte und einen vielfältigen Nutzungsmix zu erhöhen.

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