Freitag, 26.06.2026

Karpatenluchs aus Nürnberg soll genetische Diversität im Pfälzerwald stärken

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Ein junger Karpatenluchs ist am 22. Juni 2026 aus dem Tiergarten Nürnberg in den Pfälzerwald ausgewildert worden. Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz und die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft verfolgen damit das Ziel, die genetische Vielfalt der Luchspopulation in Rheinland-Pfalz langfristig zu erhöhen.

Auswilderung und Ziel

Der männliche Kuder Koda wurde gezielt in die wildlebende Population integriert. Mittelfristig soll er sich mit weiblichen Tieren paaren und so neue genetische Varianten in die bestehende Population einbringen. Die Organisationen betonen, dass die Integration und mögliche Fortpflanzung über Telemetrie sowie genetisches Monitoring begleitet werden.

Herkunft und Vorbereitung

Koda stammt aus einer Geburt im Mai 2025 im Tiergarten Nürnberg. Zur Vorbereitung auf die Freiheit wurde er im Februar dieses Jahres in ein Koordinierungsgehege im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe verlegt. Damit ist er der vierte Luchs aus Nürnberg, der in den vergangenen Jahren in die freie Wildbahn entlassen wurde; weitere in Nürnberg gezüchtete Tiere leben heute im Schwarzwald, im Thüringer Wald und im Westerzgebirge.

Die Luchs-Anlage in Nürnberg dient den Verantwortlichen zufolge als geeignetes Aufzuchtareal. Sie umfasst rund 1 850 Quadratmeter, ist strukturiert und bewaldet und bietet Rückzugsorte. Zur Fütterung erhalten die Jungtiere Rehe als natürliche Hauptbeute. Die Tiere stammen vom Forstbetrieb Nürnberg und werden im Rahmen der regulären Jagd gewonnen, um Fehlprägungen auf andere Beutetiere zu vermeiden.

Koordination, Monitoring und wissenschaftliche Ziele

Das Nachzuchtprojekt wird über das Erhaltungszuchtprogramm des Europäischen Zooverbands EAZA sowie das Netzwerk Linking Lynx koordiniert. Letzteres arbeitet international an Erhaltung, Monitoring und Management des Karpatenluchses mit dem Ziel, Vorkommen zu stützen, neue Populationen zu gründen und vorhandene Bestände miteinander zu vernetzen.

Die Integration der freigelassenen Tiere wird mittels Telemetrie verfolgt. Ergänzend sollen Kotproben, Haare und gegebenenfalls Gewebeproben systematisch gesammelt und genetisch ausgewertet werden, um Aussagen zur Vielfalt und zu Verwandtschaftsverhältnissen zu ermöglichen. Diese Daten bilden die Grundlage für weitere Auswilderungsentscheidungen.

Nachwuchs im Tiergarten

Im Tiergarten Nürnberg wurden in diesem Jahr erneut Luchse geboren. Die beiden Welpen sind nach Angaben der Einrichtung wohlauf und zunehmend außerhalb ihrer anfänglichen Felsnische zu beobachten. Vater der Jungtiere ist der vierjährige Kuder Sitka, der im April 2025 im Rahmen des EAZA-Programms aus dem belgischen Zoo Monde Sauvage nach Nürnberg kam. Ob eines oder beide Jungtiere künftig ausgewildert werden oder zur weiteren Zucht im Programm verbleiben, ist bislang nicht entschieden.

Vertreter des Tiergartens und der beteiligten Stellen hoben die Zusammenarbeit von Forst, Jagd, Nutztierhaltung und Naturschutz hervor und bezeichneten sie als wichtig für den dauerhaften Erhalt der Population im Pfälzerwald.

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